Offener Brief an den Gemeinderat

Im Moment haben wir als VfL große Probleme mit den Entscheidungen der Stadtverwaltung. Zum einen bereiten die Hallenschließzeiten während den Ferien Schwierigkeiten, zum anderen die anfallenden Gebühren hierfür, die von der neuen Vereinsförderung bei Weitem nicht gedeckt werden. Da wir in mehreren Gesprächen mit Bürgermeister Michael Schrenk keine zufriedenstellende Lösung gefunden haben, wenden wir uns nun als VfL an die Gemeinderäte. Dazu wurde das untenstehende Schreiben verfasst, welches per Post an alle Gemeinderäte persönlich ging:

 

 

 

Schließung der Sporthallen in den Ferien / Vereinsförderung

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

wir schreiben Ihnen heute im Auftrag des gesamten Hauptausschuss des VfL Pfullingen (geschäftsführender Vorstand, Abteilungsleiter und Referatsleiter).

 

Nachdem wir zahlreiche Nachfragen und Vorwürfe unserer Mitglieder erhalten haben, weshalb die Sporthallen in den Ferien geschlossen bleiben und wir nichts unternehmen würden, haben wir uns entschieden dieses Schreiben zu verfassen. Zusätzlich möchten wir nochmals klar Stellung beziehen zu der aktuellen öffentlichen Diskussion in Sachen Vereinsförderung. Es richtet sich direkt an Sie als Gemeinderatsmitglied und ist gleichzeitig zur Information als offener Brief an unsere Mitglieder und die Presse verfasst.

 

1. Sporthallenschließung in den Ferien:

 

 

Die Verwaltung hatte die großen Pfullinger Sporthallen (Schönberg- und Kurt-App-Sporthalle) in der Zeit vom 25.07.2016 - 28.08.2016 sowie komplett in den Pfingst- und Weihnachtsferien für den Sportbetrieb des VfL geschlossen. Die kleineren Sporthallen sind in der Zeit von 6.8. bis 11.9. sowie in allen Ferien komplett geschlossen. Seit einigen Monaten sind wir dazu mit der Verwaltung im Dialog.

 

Ein letztes Gespräch fand zwischen Herrn Bürgermeister Schrenk und Herrn Stadtkämmerer Roland Deh sowie den Herren Schauenburg, Finkbohner und Lange von Seiten des VfL statt. Auch in diesem Gespräch wurde leider nur die bisherige Sichtweise der Verwaltung mitgeteilt ohne dass eine Einigung in der Sache erzielt werden konnte. Lediglich die Schließung der Schönberg-/Kurt-App-Sporthalle wurde um eine Woche verkürzt. Auch ein zusätzliches Gespräch zwischen Herrn Schrenk und dem Trainer unserer 1. Handballmannschaft Till Fernow sowie einigen Spielern erbrachte keine neuen Erkenntnisse außer dass die Halle für zwei Trainingsspiele gegen Bundesligavereine geöffnet wird - ein Trainingsbetrieb in dieser Zeit ist nicht möglich.

 

Herr Schrenk hatte uns im Vorfeld zu diesem Gespräch seine Sichtweise in der nachfolgenden Mail vom 29.04.2016 wie folgt mitgeteilt. Wir haben unsere Kommentare dazu jeweils unterstrichen und in kursiver Schriftweise vermerkt:

 

„Bereits im März 2016 haben wir uns mit dieser Thematik befasst. Nach einer hausinternen Abstimmung wurden die Hallenschließzeiten am 03.03.2016 im Amtsblatt der Stadt Pfullingen veröffentlicht. Aus Sicht der Stadt waren bei der Entscheidungsfindung folgende Punkte wichtig:

Wir als Verein wurden am 18. Februar durch eine Mail über die neuen Schließzeiten informiert. Wir finden es mehr als unglücklich, dass wir hier vor vollendete Tatsachen gestellt worden sind und diese Entscheidungen ohne Absprache mit den ortsansässigen Vereinen beschlossen wurden. In den Jahren zuvor gab es diesbezüglich immer erfolgreiche Abstimmungen.

 

  1. Unsere Hausmeister und Reinigungskräfte haben sehr große Stundenüberhänge und auch sehr viele Resturlaubstage. Aus unserer Fürsorgepflicht als Arbeitgeber heraus müssen wir es unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ermöglichen, die Stunden bzw. Urlaubstage abbauen zu können.

Dies war auch in den vergangenen Jahren bisher schon so, dass Hausmeister in Urlaub gegangen sind und wir haben die Hausmeistertätigkeit aus unseren Reihen unentgeltlich übernommen. Teilweise haben wir in dieser Zeit auch Verschönerungsaktionen und Kleinreparaturen an den Hallen selbständig bzw. in Absprache mit den verantwortlichen Hausmeistern übernommen. Wir hatten angeboten während der Ferienzeit die Hausmeistertätigkeit ehrenamtlich ohne Kosten für die Stadt durch geschulte Personen aus dem Verein zu übernehmen.

 

  1. Grundreinigungen in den Ferien müssen zum Erhalt der Gebäudesubstanz sein. Für die Grundreinigung muss die Halle geschlossen sein. Eine parallele Nutzung scheidet aus. Die Halle wird nicht „auf einmal gereinigt“, sondern Abschnittsweise.

Auch hier hatten wir uns in den vergangenen Jahren im guten Konsens abgestimmt. Wenn die Tribüne gereinigt wird ist das unproblematisch für den Trainingsbetrieb. Wenn die Umkleiden und Duschen gereinigt werden, dann haben unsere Mannschaften nicht in der Halle geduscht. Wenn das Spielfeld gereinigt wurde haben wir Trainingsspiele extern vereinbart oder ein Training im Außenbereich anberaumt.

 

  1. Reparaturen/Sanierungen können nur in den Ferienzeiten durchgeführt werden. In den klassischen Handwerkerferien ist es schwer, diese Arbeiten ausführen zu lassen.

Können wir nicht nachvollziehen, denn Handwerkerferien im klassischen Sinne gibt es kaum mehr und die Hallenschließungen sind gerade in der Zeit der Handwerkerferien im August. Zudem gilt hier das Gleiche wie unter Punkt 3-wir haben Reparaturen immer in Absprache mit dem Trainingsbetrieb ermöglicht. Die Arbeiten finden in der Regel tagsüber statt und der Trainingsbetrieb eher abends.

 

Es ist nun recht schwierig, allen Gesichtspunkten gleichzeitig gerecht werden zu können. Urlaub, Grundreinigung und Reparaturen sollten in kürzester Zeit und gut koordiniert ablaufen können.

Wenn beide Seiten kompromissbereit und gut abgestimmt sind, ist das wie in den vergangenen Jahren unproblematisch.

 

Neben den Aspekten aus städtischer Sicht haben wir natürlich sehr wohl auch die Interessen der Nutzer bei der Abwägung berücksichtigt. Dabei sind insbesondere die von Ihnen vorgetragenen Argumente in Bezug auf den Handballsport zu nennen. Dies hat letztlich auch dazu geführt, dass wir die Schließungszeit in den Sommerferien für die Kurt-App-Halle um eine Woche verkürzt haben.

Folgende Punkte haben wir gestern Abend (28.4.) besprochen bzw. geklärt:

 

  1. Die Schließzeiten der Kurt-App-Halle und der Schönberghalle werden um eine Woche verkürzt. Diese beiden Hallen sind somit vom 25.07. bis einschließlich 21.08.2016 geschlossen.

Das nützt uns leider sehr wenig! Wir sind die einzige Mannschaft der 3.Handball-Bundesliga die in der Hauptvorbereitung keine Hallenzeiten in der Heimatstadt erhält. Wir sind gezwungen in Tübingen am Sportinstitut eine Halle anzumieten – dies gelang nur durch persönliche Kontakte und finanziellem Mehraufwand. Wir haben mit viel Engagement im Ehrenamt in den letzten Jahren wieder die erfolgreichste Jugendarbeit innerhalb des Württembergischen Handballbundes aufgebaut und sind mit unserer jungen Mannschaft in die 3. Handball-Bundesliga aufgestiegen – nur trainieren dürfen wir leider nicht. Samstagabend ist Handball in unserer Stadt ein Event und wir haben meist 1.000 Zuschauer die unsere Heimspiele verfolgen. Wie erklärt man den Zuschauern, dass man leider keinen Heimvorteil hat, da die Mannschaft auswärts trainieren muss? Für alle Handballfans und auch Außenstehende eine völlig unverständliche Situation und einzigartig in unserer Stadt. Zusätzlich sind natürlich unsere sonstigen Mannschaften und Sportler davon betroffen, die sich fast alle in dieser Zeit ebenfalls in der Saisonvorbereitung befinden.

 

  1. Das Sommersportcamp des VfL kann 2016 (noch) nicht in die Schönberghalle verlegt werden. Wie bereits vorgesehen, können im Jahr 2016 nur die „kleinen“ Hallen genutzt werden. Dies hat mit den bereits feststehenden Urlaubsphasen der Hausmeister und der Reinigungskräfte zu tun. In der ersten Ferienwoche ist das Personal in den Schulen noch im Einsatz. In den großen Hallen hingegen haben die Mitarbeiter schon Urlaub.

Das Sportcamp im Stadion ist in Pfullingen für über 200 Kinder und deren Eltern ein Erfolgsmodell. Hier werden Kinder in verschiedenen Sportarten eine Woche lang kompetent betreut, haben sehr viel Spaß und Bewegung in einer Gemeinschaft und die Eltern wissen ihre Kinder sinnvoll betreut. Einige Sportarten wie z.B. Basketball oder Volleyball finden in der Halle statt. Die neue Schönberghalle ist in unmittelbarer Nähe zum Stadion und bietet somit ideale Voraussetzungen für das Hallenprogramm des Sportcamps. Leider sollte die Halle geschlossen bleiben und die Stadt bot uns an die Gymnasium- und die Burgweghalle (!) stattdessen zu nutzen. Viele Eltern hatten uns dazu ihr völliges Unverständnis mitgeteilt, dass wir ebenfalls teilen. Erst als durch das Hochwasser die Nutzung der Gymnasiumhalle wörtlich ins Wasser fiel, wurden plötzlich die Türen der Schönberghalle geöffnet!

 

Wir regen in diesem Zusammenhang an, das Sportcamp und KISS in den Ferien im Terminplan zu tauschen. Dann könnte KISS in der ersten Ferienwoche in den kleinen Hallen und das Sportcamp in der zweiten Ferienhälfte in der Schönberghalle stattfinden.

Das Sportcamp ist terminlich bereits in der 1. Ferienwoche etabliert und bei vielen fest im Terminkalender. Viele Familien planen sogar ihren Jahresurlaub danach. Den Ferienzauber auf mehrere kleine Hallen zu verteilen macht keinen Sinn. Das für mehrere Hallen zu arrangieren und die Helfer dafür abzustellen ist erstens teuer und zweitens von der Logistik innerhalb des kurzen Zeitraums nicht realisierbar. Zudem bekommen die Kinder ein Pausenvesper das in den kleinen Hallen nicht zubereitet werden kann ohne Küche. Zudem ist das inhaltliche Angebot der KISS für eine größere Halle ausgelegt.

 

In den Pfingstferien und den Weihnachtsferien bleiben alle Hallen geschlossen. Wir haben insbesondere einen Teil der Reparaturen in die Pfingstferien vorverlegt, um in den Sommerferien wieder früher aufmachen zu können.

Auch hier haben wir wieder das Problem, dass unsere eher leistungsorientierte Mannschaften nicht trainieren können (z.B. läuft nach den Weihnachtsfeiertagen das Training komplett weiter). Zudem hatten wir bisher den „Ferienzauber“ unserer KiSS (Kindersportschule) mit teilweise über 60 Teilnehmern erfolgreich aufgebaut. Auch dieses Programm ist für viele Kinder und Eltern ein fester Bestandteil. Leider fällt dieses Programm für Pfullinger Kinder zukünftig der Hallenschließung zum Opfer und musste auch dieses Jahr bereits abgesagt werden. Auch hierzu haben wir eine Vielzahl an Kommentaren von Kindern und vor allem berufstätigen Eltern erhalten, die sich für diese Zeit nach einer neuen Form der Kinderbetreuung umsehen mussten. Vor allem hatten uns die Eltern vorgeworfen „unternehmt ihr denn da nichts gegen die Stadt“. Wir haben bisher immer argumentiert, dass wir in Gespräche sind, aber dazu fehlt uns jetzt die Grundlage.

 

Wir sind der Meinung, dass dies ein gangbarer Weg für alle Beteiligten darstellt. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir die aus städtischer Sicht wichtigen Punkte nicht komplett außer Acht lassen können.

 

Freundliche Grüße

Ihr

Michael Schrenk, Bürgermeister“

Für uns ist dies kein gangbarer Weg, denn die restriktive Haltung die Hallen in den Ferien mehr oder weniger „ohne Rücksicht auf Verluste“ zu schließen, stellt eine Vorgehensweise dar die ausschließlich auf Belange der Verwaltung ausgelegt ist. Eine gute Verwaltung erfüllt aus unserer Sicht ihre Aufgabe, wenn die Belange der Bürger in den Mittelpunkt gestellt werden und nicht umgekehrt.

 

 

In den vergangen Jahren haben wir in einem guten Dialog und Miteinander die Hallenschließungen mit der Verwaltung im Vorfeld besprochen und eine akzeptable Lösung für beiden Seiten gefunden. Wir hatten stets betont, dass der Dialog mit der Stadt Pfullingen zwar auch mal kontrovers, aber immer zielführend und konstruktiv geführt wurde. Dieser Konsens konnte in diesem Jahr leider nicht gefunden werden und führte zu einer aktuellen „Verhärtung der Fronten“ und zusehends zu einer erheblichen Frustration der Sportler/innen sowie dem gesamten Ehrenamt in unserem Verein.

 

Da wir mit Herrn Bürgermeister Schrenk leider keine akzeptable Lösung finden und weiterhin großer Unmut bei unseren ehrenamtlichen Mitgliedern, Mannschaften und vielen Eltern besteht, haben wir uns entschlossen Sie als Gemeinderat und „nächste Instanz“ anzusprechen. Wir bitten Sie unser Thema in ihren Fraktionen zu erörtern, auf Herrn Bürgermeister Schrenk einzuwirken und die Hallen für die Kinder und Bürger/innen in Pfullingen in den Ferien zu öffnen. Selbstverständlich nehmen wir dabei auf die Belange der Verwaltung Rücksicht und würden dies gerne mit den Verantwortlichen entsprechend abstimmen.

 

Eventuell kann hierzu ein Arbeitskreis aus dem Gemeinderat als Moderator fungieren.

 

 

 

2. Vereinsförderung und Hallennutzungsgebühr

 

 

Der VfL hat im Vorfeld einstimmig dafür plädiert, dass die Stadt Hallengebühren erhebt, da dadurch für die Stadt die Möglichkeit besteht erhebliche Vorsteuerabzug geltend zu machen - alleine für die Schönberghalle ca. 1.4 Mio Euro, hinzu kommt die zukünftige Vorsteuerabzugsfähigkeit für die laufenden Kosten. Dazu hat die Stadt eine Hallenbetreiber GmbH gegründet die geschäftsmäßig die Sporthallen an die Nutzer vermietet, da die Stadt selbst als öffentliches Organ nicht vorsteuerabzugsfähig ist. Zu diesem Modell steht der VfL auch weiterhin, denn die dadurch eingesparte Vorsteuer bleibt der Stadt Pfullingen erhalten.

 

Im Gegenzug hat die Stadt die Vereinsförderung für alle Vereine in Pfullingen neu geregelt - auch der VfL erhält diese Förderung.

 

Allerdings ergibt sich aus der Gesamtbilanz von Hallennutzungsgebühr und sonstigen Gebühren für Sportveranstaltungen, Gestattungen, Plakatierungen, etc. (50.800,00 Euro pro Jahr) abzüglich Vereinsförderung (34.000,00 Euro pro Jahr) eine negative Gesamtbilanz für den VfL Pfullingen in Höhe von

 

-16.800,00 Euro pro Jahr

 

Leider wird von Herrn Bürgermeister Schrenk nur einseitig auf die Vereinsförderung hingewiesen. Dies ist zwar keine Falschaussage, aber diese „politische“ Darstellung zeigt der Öffentlichkeit keinesfalls die negative Gesamtbilanz die für unseren Verein entsteht auf.

 

Auch hier plädieren wir eindringlich, dass unsere vielen ehrenamtlichen Helfer und Vereinsverantwortlichen nicht durch solche Darstellungen demotiviert werden und bitten Sie um eine sachliche Diskussion, die wieder zu einem positiven Verhältnis von Stadt und Verein führt.

 

 

Für Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

 

Mit sportlichen Grüßen im Auftrag des VfL Pfullingen

 

 

 

Sven Schauenburg                                  Hans-Georg Finkbohner

  1. Vorstand 2. Vorstand