Vize-Weltmeisterin im Paradies

Triathlon Die Pfullingerin Stefanie Kuhnert schafft Sensation beim Ironman Hawaii

Pfullingen/Hawaii. Unter den 2315 Finishern aus 112 Nationen, die am vergangenen Samstag beim Ironman Hawaii ins Rennen gingen, war mit Stefanie Kuhnert vom VfL Pfullingen der Triathlonsport unserer Region nach vier Jahren Abstinenz erstmals wieder vertreten. Am Samstag, um 7 Uhr Ortszeit, stand die bei der Firma Wafios als Technikerin in Vollzeit arbeitende Amateurin reinsten Wassers am Start ihres erst zweiten Triathlon-Wettkampfes auf der Langdistanz.

 

Die Qualifikation dafür hatte sich die amtierende Amateur-Weltmeisterin auf der Mitteldistanz (70.3) bei ihrem ersten Langdistanz-Triathlon, Ende Juni beim Ironman Schweiz in Zürich, erkämpft. Da landete sie auf Platz zehn.

Auf Hawaii erwartete die sympathische Ausdauerathletin höchsten Respekt Einflößendes: 3,86 Kilometer Schwimmen mit ordentlich Wellengang im offenen Meer, 180,2 Kilometer Radfahren gegen tückische Ho`o-Munusko-Seitenwinde und erdrückender Luftfeuchtigkeit entlang Lavafeldern und abschließendes 42,195 Kilometer Laufen – bei fast unerträglicher Hitze von bis zu 45 Grad. Der Ausdauer-Klassiker im Urlaubsparadies sollte die Teilnehmer an ihre physischen und psychischen Grenzen treiben. So auch den 35-jährigen gebürtigen Kölner, Jan Frodeno, der als überragender Sieger und damit Weltmeister 2016 auf der Triathlon-Langdistanz, im Ziel auf dem Ali`i Drive mit schmerzverzerrtem Gesicht und dennoch überglücklich sagte: ,,Ich habe so gelitten, es war die Hölle“.   

Vor ihrem Start beim härtesten Langdistanz-Rennen der Welt, in Kona, hatte die Pfullinger Altersklassen-Triathletin verkündet: ,,Mein oberstes Ziel ist es, ins Ziel zu kommen“. Für die Echaztälerin begann der Wettkampftag mit dem Klingeln des Weckers um 3 Uhr, um 4:45 Uhr war Bodymarking angesagt, dann letzte Vorbereitungen und hin zu dem um 7 Uhr erfolgten Schwimmstart. Mit den Worten ,,natürlich möchte bei der Weltmeisterschaft jeder ganz vorne stehen, da muss man dann schon ein bisschen die Ellbogen ausfahren“, gibt das Energiebündel im Nachhinein Einblick in ihre Gedanken, Sekunden vor dem Start. Als bekannt sehr gute Schwimmerin kam sie ,,sehr gut weg, ich geriet in keine Schlägerei, fand gleich Anschluss und konnte das Tempo gut mithalten“. Mit der Folge, dass sie schon nach 55:39 Minuten als hervorragende 19. der weiblichen Gesamtwertung und Zweite ihrer Altersklasse F 25-29 aus der 25 Grad warmen Südsee stürmte.

Dank ihres bekannt sehr forschen Wechsels startete sie als Erste ihrer Altersklasse auf die Radstrecke. ,,Das Radfahren war von Windböen geprägt. Ich habe schnell in einen gleichmäßigen Tritt gefunden und konnte mein Tempo auch fast bis zum Ende durchfahren. Auf den letzten 20 Kilometern bließ der Wind dann so stark, dass ich mir das Laufen herbeigesehnt habe“. Den mit auf den Weg gegebenen Ratschlag ihrer Trainerin und Trainingsprtnerin, der Pfullingerin Sigrid Preusch, befolgte sie konsequent: ,,Ich habe meinen Körper, auch an jeder Verpflegungsstelle, gekühlt, denn die Hitze hier auf Big Island war einfach unbarmherzig“. Die 180,2 Kilometer in 5:29:31 Stunden bewältigt, gelang es ,,Steffi“ sich beim abschließenden Marathonlauf nochmal voll auf sich zu konzentrieren und ihr Tempo bis hin zum heiß ersehnten Ziel durchlaufen. Da wurde für sie die total beeindruckende Laufzeit von 3:29:41 Stunden registriert und damit die überragende Gesamtzeit von 9:59:44 Stunden. Die bei zehn Stunden liegende magische Marke für Amateur-Athleten, hatte die amtierende Reutlinger Sportlerin des Jahres mit ungeheurer Willenskraft geknackt und somit ihren persönlichen Traum erfüllt. Damit glänzte sie auf Rang 30 bei den Frauen und war damit Viertbeste unter den 51 angetretenen deutschen Athletinnen.

,,Der Zieleinlauf war gigantisch und ich war überglücklich, so gut gefinisht zu haben. Jetzt heißt es Beine hochlegen und die Siegerehrung in vollen Zügen genießen“, berichtete uns Stefanie Kuhnert, noch bevor sie als sensationelle Vize-Weltmeisterin ihrer Altersklasse geehrt und gefeiert wurde.

Ihr ,,ganz großer Dank“ ging an Sigrid Preusch sowie an ihre in Hawaii anwesende  Familie und ihren Freund. ,,Ich bin sehr stolz und genieße noch die restliche Zeit auf dieser tollen Insel“. Verdient hat sie es nach ihrem grandiosen Hawaii-Debüt – und wie!

 

Dietmar Czapalla